Pfälzerwald-Verein Gimmeldingen e.V.

Tagung der Kulturwarte am 04.05.2013 in Weyher in der Amicitia-Hütte

Die „Amicitia“ Landau wurde in den Jahren 1920 gegründet und war bei ihrer Gründung ein Mandolinen-Club bestehend aus 36 Spielerinnen und Spielern. Heute spielt hier niemand mehr Mandoline. Der Verein hat sich als Wanderverein dem Pfälzerwald-Verein angeschlossen. Er bekam seine erste Aufgabe beim PWV. Die Ausrichtung der Kultur-Warte-Tagung 2013.

Thema: „Die pfälzischen Haingeraiden1
Wälder mit besonderen Eigentums- und Nutzungsrechten in der Pfalz.
Genannt wird König Dagobert, Schenkung, Haus u. Hof- Eigentum.

Schon bei der Aufteilung des Waldgebietes kam es zu Konflikten, Vorderwald, Hinterwald, schließlich erkannte man schon damals wo der beste Holzbestand war.

Die Haingeraiden sind in Vergessenheit geraten. Ihre Entstehung dürfte nach Schätzungen um 650 n.C. sein. In dieser Zeit entstanden in unserer Region, dem Haardtrand, Dörfer, Siedlungen, die Landzuteilung, sowie Waldzuteilungen. Da entstanden die „Haingeraiden“.

Geraiden sind eine Art Genossenschaft die dem Kaiser unterstellt waren. Die Gebietsabgrenzung wurde oft durch Wasserscheiden festgelegt.

Ein Hain ist Wald mit Wiesen, also Weideland. Er war auch damals wichtiger Lebensraum. Was erinnert an diese Zeit? Das „Geißbockfest“ zu Pfingsten in Deidesheim, unsere Hainstraße2 und die Kühunter, die es auch anderswo gibt. Und der Loblocher Stein?

Es gibt im Wald, fest mit der Erde verwachsen, Markierungssteine mit eigenartigen Schriftzeichen. Diese hatten zur damaligen Zeit, als das Volk das Lesen und Schreiben noch nicht kannte, ihre Bedeutung. Ortschaften, Centmeister, Amtsschütze, Loogmeister waren an den Zeichen zu erkennen.

Genossen durften mit dem Waldnutzen keinen Handel treiben. Beim Bau eines Hauses durfte nur ab einer bestimmten Höhe Holz benutzt werden. Genossen brauchten keine Steuern zu zahlen. Sie waren aber zum Wehrdienst verpflichtet.

Diese Haingeraiden waren durchnummeriert von Wanzenauer Geraide, Elzass bis Dürkheimer Haingeraide, mit Freinsheim u. Lambsheim.

Die 14 Haingeraide umfasst Deidesheim, Mußbach, Lobloch und Gimmeldingen.

Haingeraiden hatten eine solide Ordnung. Es war eine Genossenschaft. Mitglied konnte nur werden wer Haus und Grund besaß. Es wurden insbesondere mit den Nachbar-Gemeinden Sitzungen und  jährlich mindestens einmal Grenzbegehungen durchgeführt. Die Teilnahme der Genossen war Pflicht.

Was war damals als Nutzen aus den Haingeraiden zu erzielen?

Es gab das Holzrecht für Nutzholz, Wingertholz, Brennholz, Leseholz. Die Entnahme von Steinen war geregelt. Laub als Streumaterial durfte nur begrenzt entnommen werden. Beerenernte war nur an Waldtagen erlaubt. Durch Kriege und Feuer wurde auch damals der Wald sehr geschädigt. Das Weiden von  Vieh, das war ein bedeutender Aspekt. Es gab die Rau- und Schmalzweide. Die Hauswutz, sie wurde in den Wald getrieben und durfte da  im Wald nach Nahrung suchen. Kastanien, Bucheckern und Eicheln, das war eine solide Nahrung. Natürlich kam es hin und wieder zu Verknappungen und somit auch zu Frevel, der verfolgt und geahndet wurde. So wurde ab und zu der Forstschütz in der Wirtschaft verleitet, um ihn von seiner Aufgabe im Wald abzuhalten.

Jahrhunderte hat das System der Haingraiden gut funktioniert, bis Napoleon kam und die Verwaltungsreform nach seiner Art einführte. Die Waldnutzung wurde Bistümern und Burgherren angeeignet.

Doch auch Napoleon musste gehen und das alte Verwaltungssystem wurde vom Bayernkönig Ludwig wieder erstellt. Hier bekommt der Loblocher-Stein seine Bedeutung. Der Verlauf der Geschichte hat durch zwei Kriege vieles geändert und dem Wald schwere Schäden zugefügt.

Das System der Haingeraiden schreibt man in seiner Entstehung den Franken zu, die das auch Jahrhunderte lang pflegten und stützten.

Bericht: Walter & Karin Gutfrucht

Anmerkung:
1 Als Haingeraide oder auch Haardtgeraide bezeichnete man das durchgehende Waldgebiet von Wanzenau im Oberelsass bis Bad Dürkheim in der Vorderpfalz. (Quelle: Wikipedia)
2
Hainstraße, im Volksmund „Kiehwech“ genannt, durch die Hainstraße wurden früher die Kühe zur „Kühunter“ getrieben. (Anmerkung v. Edelgard Schäker)

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