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Reisebericht Bamberg

Bamberg, die letzte Etappe unserer Mehr-Tages-Fahrt ins Fichtelgebirge war wie ein Bonbon für mich, ein Wiedersehen nach fünfzig Jahren.

„Traumstadt der Deutschen“ wird sie genannt, nach einer Umfrage 1981 durch die Bevölkerung in den 50 größten Städten Deutschlands.

973 schenkte Kaiser Otto II. die Civitas Papinbere (Babenberg) mit allen Zugehörungen und Dienstbarkeiten dem Bayernherzog Heinrich dem Zänker. Die Urkunde dazu befindet sich in Worms.

Geografisch liegt Bamberg in einer Flusslandschaft von Hügeln rings umgeben.

„Wohl auf die Luft ist frisch und rein“…

wer kennt dieses Wanderlied nicht, dass sich im Text so fortsetzt:

„Von Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen“.....

Diese einmalig schöne Landschaft ist ein herrliches Wandergebiet. Die Stadt ist im Stadtkern völlig erhalten und bestens renoviert.

Der Dom, der Michelsberg, die Concordia, Geyerswörth, Klein Venedig, das Alte Rathaus und die Alte Hofhaltung, ein Komplex der seines gleichen sucht. Die Stadt steht im Schutze der UNESCO, sie ist Weltkulturerbe. Die Altstadt dient oft als Filmkulisse, insbesondere die Alte Hofhaltung. Zurzeit werden dort Szenen zur siebten Neuverfilmung „Die drei Musketiere“ gedreht. In den letzten Kriegstagen 1945 hatte Bamberg viel Glück und wurde von Zerstörungen verschont. Es war das Glück, das Worms nicht hatte.

Ausgrabungen beweisen, dass Bamberg schon in karolingischen Zeiten besiedelt war. Es wird zurzeit noch im Dom gebuddelt. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Sohn Heinrich, von Heinrich dem Zänker, der zum König gewählt wurde und danach zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt wurde, verhalf der Stadt zum Aufstieg. Er sah vor, Bamberg zur Hauptstadt zu machen.. Bamberg verdankt diesem Heinrich den Eintritt in die Geschichte. Heinrich, der Bamberg von Kindheit an liebte, vermachte die Stadt an seine aus luxemburgischem Geschlecht stammende Gemahlin Kunigunde als Morgengabe. Er gründete 1007 mit Zustimmung der Synode von Frankfurt das Bistum Bamberg.

Heinrich gründete in seiner Stadt Stiftungen, die Domschule, die im Nachhinein als Diplomatenschule anzusehen ist, gründete Stifte, Klöster und baute den Dom, den Heinrichsdom, der 1012 vollendet wurde, aber 1081 und 1185 total ausbrannte. 1237 wurde der wieder erbaute Dom geweiht, sein Aussehen hat er bis heute erhalten. Die Bedeutung dieser Stadt wurde erlangt durch ein Treffen mit dem Pabst Benedikt VIII.. Dabei wurden die „Dinge der Welt“ besprochen, eine Art Gipfelkonferenz.

Kaiser Heinrich blieb in Bamberg und ist mit seiner Gemahlin Kunigunde im Dom beigesetzt. Leider blieb diese Ehe kinderlos. Im Dom ruht Pabst Clemens II., der unter dem Namen Suidger zuvor Bischoff in Bamberg war, sowie Konrad II., der erste Stauffer. König Philipp von Schwaben ruhte im Dom, wurde jedoch später in die Kaisergruft nach Speyer umgebettet. Die markanteste Figur im Dom, der Domreiter ist bis heute von der Wissenschaft nicht eindeutig identifiziert. Er sitzt auf seinem Pferde in einem Seiteneingang und schaut nach rechts ins Hauptschiff. Man sagt, er stellt das Idealbild eines christlichen mittelalterlichen Königs dar.

Kenner sagen: Es ist Konrad III.

Bambergs Bürgertum erhielt unter Friedrich I. (Barbarossa) Schutz und Zollfreiheit und erreichte im 19. Jahrhundert seine volle Entfaltung. Bamberg wurde zu einer vom Patriziat beherrschten und regierten Stadt.

Die Stadt zu erkunden, dazu muss man sich viel Zeit nehmen. Die Fußgängerzone, der Markt mit seinen regionalen Produkten sowie die vielen Gasthäuser mit vielfältigem Bierangebot, Kunst und Bausubstanz zu bewundern, das braucht seine Zeit.

 

Walter Gutfrucht